 Heute habe ich gelesen, dass die Evangelische Akademie Tutzing den Toleranzpreis 2008 an Shirin Ebadi aus dem Iran verleiht. Bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass es jede Menge Toleranzpreise gibt, so z.B. der Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, der UNESCO-Madanjeet Singh Toleranzpreis, der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln, etc. Es gibt sogar einen Botschafter der Toleranz , der jedes Jahr verliehen wird. Dazu schreibt Wikipedia, dass ein Toleranzpreis eine öffentliche Auszeichnung ist, für Personen oder Gruppen, die sich durch Praktizieren oder Förderung von Toleranz hervorgetan haben. Und die Definition von Toleranz dort ist: Der Begriff Toleranz (auch: Duldsamkeit, Gegenteil: Intoleranz; abgeleitet vom lateinischen Verb tolerare, das „ertragen“, „durchstehen“, „aushalten“ oder „erdulden“, aber auch „zulassen“ bedeutet) wird unter anderem im sozialen, kulturellen sowie religiösen Kontext gebraucht. So kann mit Toleranz etwa eine Meinung gemeint sein, mit der eine Person bzw. Personengruppe nicht übereinstimmt, diese aber dennoch duldet, also toleriert.
Bei dieser Definition wundert es mich, dass man für "ertragen, aushalten, erdulden und erleiden" Preise verleiht. Das bedeutet doch, dass jemand, der sich sozusagen opfert, geehrt wird. Dabei ist es eine Frage der geistigen Gesundheit, dass kein Mensch Opfer bringen muss, weder für einen anderen Menschen, noch für eine Sache oder Angelegenheit auch nicht für einen Gott. Es ist eine der allergrößten Verzerrungen im Verständnis des Lebens. Opfer sind schmuddelig, unehrenhaft und eines Menschen unwürdig. Und Toleranz ist Verurteilung Anderer, ohne dass eine Strafe folgt. Aber es bleibt Verurteilung, Ablehnung, und wenn die Bedingungen härter werden, ist schnell jedes "Erdulden" vergessen. Was gebraucht wird, ist Akzeptanz, das Annehmen des Anderen in vollem Umfang, ohne Wertung, ohne Verurteilung. Das Missverständnis mit der Toleranz kommt vielleicht daher, dass der heutige Mensch glaubt, er wäre seiner Umwelt und den anderen Menschen gewissermaßen ausgeliefert. Deshalb kann er bestenfalls "tolerieren", aber nicht akzeptieren, da er glaubt, dass es dann keine Ausweg mehr gibt. Aber Akzeptanz bedeutet nicht, dass man zwanghaft Zeit mit den Akzeptierten verbringen muss. Wenn es einem nicht gefällt, was die Anderen tun, dann geht man einfach weg - aber eben ohne Verurteilung. Akzeptanz ermöglicht erst die freie Wahl der Ereignisse, ansonsten ist man an die Ablehnungen zementiert. Vielleicht sollten die Toleranzpreisverleiher einmal auf Goethe hören, der vor geraumer Zeit sagte: Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.
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