"… im Religiösen heißt Hingabe lediglich, zu vertrauen,
sich zu entspannen. Sie ist mehr eine Einstellung als ein Akt: Du baust
dein Leben auf Vertrauen." OSHO
Thema der aktuellen Ausgabe:
Vertrauen – Leben ohne Sicherheitsnetz
Editorial von Anandi
Vertrauen macht mein Herz stark, stimmt mich weich und still. Zuversichtlich
spüre ich, dass der nächste Moment ein freundlicher sein wird – mit vielen
Herausforderungen, die ich meistern kann.
Vertrauen lässt Menschen lächeln wie Kinder und sieht selbst
im Dunkeln Licht.
Entspannen. Loslassen. Aufhören gegen Windmühlen zu kämpfen,
gegen all diese Ängste, dass das Leben mich nicht abholt und in einsamer
Finsternis, aufs Tiefste enttäuscht im Stich lässt.
Doch ist das Leben wirklich so? Warum sollte es denn ausgerechnet
mich vergessen? Es lebt doch in mir, wir sind eine Einheit.
Vertrauen ist unschuldig. Wenn es aus meinen Augen scheint, können
die andern sich entspannen und es gut mit mir meinen. Denn ich meine es
gut mit ihnen. Das sehen sie. Und das sieht das Leben auch.
Vertrauen kann auch ein Lebensstil, eine Einstellung sein. Ich gebe mich
dem, was gerade passiert, hin und übernehme damit die Verantwortung für
das, was sich daraus entwickelt. Komme, was wolle, ich werde damit fertig
und bleibe gelassen.
Dann erübrigt es sich, einen Krieg anzufangen und anderen die
Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn es nicht so läuft, wie ich mir
das vorstelle. Ebenso wie das zynische „Nachobenrollen der Augen“ und
das arrogante „Herabschauen auf diese Dummköpfe, die allzu vertrauensselig
in ihr Verderben rennen“.
Wer sich im Getriebe von Machtspielchen verhakelt und von Misstrauen
durchtränkt ist, erwartet immer das Schlechteste! Überall lauern Feinde.
Das Leben wirkt bedrohlich – ein schrecklicher Zustand, der richtig wehtut!
Dies ist das Klima, in dem die Angst ihre Kinder ausbrütet – Eifersucht,
Unruhe, Gier, Neid, Bosheit und Spott: Misstrauen lässt mich zum wandelnden
Schutzschild werden. Steif und starr wehre ich jegliche natürliche und
positive Entfaltung des Lebens ab. Oder – noch schlimmer! – greife voller
Paranoia blitzschnell zu den Waffen und attackiere dort, wo mir niemand
was Böses will.
Vertrauen erfordert Mut! Auf tiefster Ebene ist es das Zugeständnis,
dass es etwas Größeres gibt als mich. Und das kann ganz schön nervös machen.
Man weiß ja nicht, was dieses Größere mit einem vorhat. Vielleicht hatte
ich mir das ja ganz anders vorgestellt und auch seine Mittel gefallen
mir nicht! Mein Ego bäumt sich auf und zischt manipulativ: „Aber du musst
doch deiner eigenen Wahrheit folgen!“
Und bei allem Chaos und Durcheinander: Diese größere Instanz
scheint für Zusammenhang und einen umfassenden Sinn zu sorgen. Eins macht
sie auf jeden Fall klar: Sie bestimmt, wo es langgeht! Da hat mein Ego
gar nichts zu melden. Sie lehrt mich dies mit den verschiedensten Lebenssituationen:
z.B. in Person meines aufsässigen Kindes, das mich in meine Hilflosigkeit
treibt und weich werden lässt; oder des wütenden Nachbarn, der meine Durchsetzungskraft
anspornt; oder als die zickige Bäckersfrau, deren seltenes und karges
Lächeln mein Herz berührt. Irgendeine schöne Überraschung kommt immer
im Schlepptau hinterher.
Osho sagt (im Diskurs S. 34): „Vertrauen ist Sache des Herzens. Man vertraut
dem Leben einfach deshalb, weil man dem Leben entstammt, sich im Leben
befindet und wieder zur Quelle zurückkehren wird. Da herrscht keine Angst.
Dasselbe Leben, dem du dein Leben verdankst, kann dir jederzeit mehr Leben
schenken – wozu also Angst haben?“
Dem vertraue ich.
